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Lab 02b: Event Storming - Eure eigene Fachdomäne

Aufgabe

Wendet Event Storming auf einen konkreten Geschäftsprozess aus eurer eigenen Domäne an.

Dieses Lab ist ein reines Modellierungs-Lab - es wird kein Code geschrieben.

Ihr arbeitet jetzt nicht mehr mit einer vorgegebenen Beispieldomäne, sondern mit einem Prozess, den ihr aus der Praxis kennt. Gerade dadurch werden implizites Wissen, uneinheitliche Begriffe und versteckte Komplexität sichtbar.

Vorbereitung (vor dem Lab)

Jede Gruppe wählt einen einzelnen Geschäftsprozess aus dem eigenen System. Geeignet sind Prozesse, die:

  • für das Geschäft sichtbar relevant sind
  • von mehreren Rollen geprägt werden
  • fachliche Entscheidungen oder Regeln enthalten
  • im Team regelmäßig zu Rückfragen, Missverständnissen oder Diskussionen führen

Falls ihr noch keinen Prozess gewählt habt, helfen diese Fragen:

  • "Wo müssen wir Fachlogik erklären, bevor jemand Änderungen machen kann?"
  • "Wo hängen mehrere Rollen oder Teams inhaltlich zusammen?"
  • "Wo ist unklar, wann ein Fall in die nächste Phase übergeht?"
  • "Wo verwenden verschiedene Beteiligte ähnliche Begriffe unterschiedlich?"

Zielbild für dieses Lab

Am Ende soll ein Board vorliegen, das diese Fragen beantwortet:

  • Welche fachlich relevanten Dinge passieren in diesem Prozess?
  • In welcher zeitlichen Reihenfolge passieren sie?
  • Welche 5-8 Events bilden den Kernablauf?
  • Wo gibt es Unklarheiten, Konflikte oder Sprachwechsel?
  • An welchen Stellen scheint Verantwortung oder Bedeutung zu wechseln?

Format

Gruppenarbeit 2-4 Personen pro Gruppe (Breakout-Räume)
Board Eigenes Miro-/Mural-Board pro Gruppe (Template siehe unten)
Trainer Springt zwischen den Breakout-Räumen, ist aber nicht dauerhaft anwesend

Farbcodierung

Farbe Element Beispiel
Orange Domain Event "Antrag geprüft"
Rot Hot Spot "Wer darf die Priorität ändern?"
Blau Command "Antrag prüfen"
Gelb Aggregate "Antrag"
Lila Policy "Wenn genehmigt, dann Auszahlung"
Rosa External System "SAP", "Zahlungsdienst"
Grün Read Model "Offene Anträge", "Freigabeübersicht"

Actors werden nicht als eigenes Board-Element modelliert. Notiert sie direkt am Command oder daneben, z. B. "Sachbearbeitung", "Kunde", "System".

Ablauf

Phase 1: Domain Events sammeln (15 Min)

Timebox: 15 Minuten - danach wird sortiert, nicht weiter gesammelt.

Jedes Gruppenmitglied schreibt gleichzeitig und still Domain Events auf orangefarbene Stickies. Keine Diskussion in dieser Phase.

Leitfragen:

  1. Was ist der auslösende Moment eures Prozesses?
  2. Was ist das gewünschte fachliche Ergebnis?
  3. Welche fachlich relevanten Dinge passieren dazwischen?

Wichtig:

  • Formuliert Events in der Vergangenheitsform
  • Beschreibt fachliche Ergebnisse, keine technischen Implementierungsdetails
  • Duplikate und unscharfe Formulierungen sind in dieser Phase erlaubt

Typische Fallen:

  • Nicht: "Datensatz gespeichert"
  • Besser: "Antrag erfasst"
  • Nicht: "Service validiert Eingabe"
  • Besser: "Bonität geprüft"

Phase 2: Zeitlinie ordnen und Hot Spots markieren (15 Min)

Ordnet die gesammelten Domain Events auf einer horizontalen Zeitlinie von links (früh) nach rechts (spät).

Arbeitet dann gemeinsam heraus:

  • Welche Events sind Duplikate?
  • Wo fehlen offenbar fachliche Schritte?
  • Welche 5-8 Events bilden den Kernablauf?
  • Wo gibt es Widersprüche, offene Fragen oder unterschiedliche Begriffe?

Markiert Unklarheiten sofort mit roten Hot Spots.

Typische Hot Spots:

  • "Wer entscheidet hier eigentlich?"
  • "Ist das noch derselbe Fall oder schon eine neue Phase?"
  • "Meinen wir mit diesem Begriff alle dasselbe?"

Hot Spots werden nicht gelöst. Sie sind ein zentrales Ergebnis des Labs.

Phase 3: Commands, Actors und gezielte Vertiefung (10 Min)

Ergänzt nur für die wichtigsten Kern-Events:

  • Command (blau): Welche Aktion hat das Event ausgelöst?
  • Actor: Wer hat den Command ausgelöst?

Vertieft anschließend 2-3 fachlich interessante Stellen, wenn es hilft:

  • Aggregate (gelb): Welches fachliche Objekt schützt hier Regeln?
  • Policy (lila): Wo reagiert das System automatisch auf ein Event?
  • External System (rosa): Wo ist ein fremdes System beteiligt?
  • Read Model (grün): Welche Sicht braucht ein Akteur zur Entscheidung?

Fokus bleibt auf dem Verständnis des Prozesses, nicht auf einem vollständigen Design-Level-Board.

Phase 4: Ergebnis für Lab 03 festhalten (5 Min)

Haltet das Ergebnis in kompakter Form fest:

  • Name des modellierten Prozesses
  • 5-8 Kern-Events in Reihenfolge
  • mindestens 3 Hot Spots
  • auffällige Sprachwechsel, Verantwortungswechsel oder Phasenwechsel

Wenn ihr digital arbeitet, exportiert oder speichert das Board. Dieses Artefakt wird in Lab 03 weiterverwendet.

Plenum: Kurzvorstellung (15 Min)

Jede Gruppe präsentiert in 2-3 Minuten:

  1. Welchen Prozess habt ihr modelliert?
  2. Welche 5-8 Events bilden euren Kernablauf?
  3. Wo liegen eure wichtigsten Hot Spots?
  4. Wo habt ihr Sprach-, Verantwortungs- oder Phasenwechsel beobachtet?